Das R.U.S.Z. - Pionierbetrieb der Kreislaufwirtschaft

Das Geschäftsmodell des Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z entspricht zur Gänze dem 2015 veröffentlichten Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen. Es erbringt einen Mehrwert für das Gemeinwesen auf sozialer und ökologischer Ebene in der Weise, dass durch die unbefristete Beschäftigung von ehemals langzeitarbeitslosen Mechatronikern deren Ausbildung zu Fachexperten erfolgt und durch die Verlängerung der Nutzungsdauer von Konsumgütern ein wesentlicher Beitrag zur Ressourcenschonung erbracht wird. Es schafft Wertschöpfung im Inland, lebt die Strategie der Ressourcenschonung seit der Gründung als wesentliche Handlungsmaxime und setzt sich seit 20 Jahren für nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum von Elektrogeräten ein. Damit und in Kombination mit seiner erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit und seinem außerordentlich wirksamen Lobbying wirkt es lokal, national und auf EU-Ebene.

Gemäß der Studie "Economic Growth Potential of More Circular Economies" von Peter Mitchell und Keith James können bei kontinuierlicher Entwicklung der Kreislaufwirtschaft bis 2030 in Europa 1,2 Mio. Arbeitsplätze, davon 25.000 in Österreich geschaffen werden.

Unsere Entwicklung

1998

Gründung

In den späten 1990ern gab es, genauso wie heute, hohen Bedarf an Reparaturen von Elektrogeräten, die von den Kundendiensten der Hersteller ungern oder gar nicht angeboten wurden. In Hinterhöfen versteckte Reparaturkünstler waren von der Insolvenz bedroht. Um diesem Marktversagen entgegenzutreten, entstand 1998 das Unternehmens-konzept des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z, mit Auftrag des AMS (bis 2007).

1999

Reparatur-netzwerk

Die günstigen Preise für seriöse Reparaturdienstleistungen des R.U.S.Z erzeugten eine massive Nachfrage nach den unterschiedlichsten Reparaturdienstleistungen. Als der Wunsch nach der Reparatur eines sechs Meter langen Flautenschiebemotors für eine Segeljacht beim R.U.S.Z einlangte, beschloss die Geschäftsführung 1999 die Gründung des Reparaturnetzwerks Wien, in dem alle seriösen Reparaturbetriebe, die nicht in erster Linie am Verkauf von Neuware interessiert sind, seither beworben werden.

2005

Handy-sammlung

Das R.U.S.Z entwickelte gemeinsam mit Ö3 und der Caritas Österreich mit der Ö3-Wundertüte das weltweit erfolgreichste Handysammelsystem.

2007

Privatisierung

Der ursprünglich sozialökonomische Betrieb wurde ab 2007 privat weitergeführt und konnte sich letztlich zu dem erfolgreichen Sozialunternehmen entwickeln, das es heute ist, und gleichzeitig seinen ursprünglichen Prinzipien treu bleiben.


Arbeits- und Praxistrainings für Langzeitarbeitslose und Lehrlinge

Auch heute halten wir die alte, soziale Mission hoch und bieten (kostenlose) Arbeits- und Praxistrainings für Langzeitarbeitslose und Mechatroniker-Lehrlinge aus überbetrieblichen Lehrlingsausbildungseinrichtungen an. Aus diesem Fundus akquirieren wir bei Personalbedarf unsere neuen Mitarbeiter und bieten ihnen unbefristete Dienstverhältnisse an.


Reparatur-Café "Schraube 14"

Für Interessierte besteht einmal wöchentlich die Möglichkeit, im Rahmen des Reparatur-Cafés "Schraube 14" defekte Elektrokleingeräte unter Anleitung von Fachkräften des R.U.S.Z selbst zu reparieren.


Öffentlichkeitsarbeit

Das R.U.S.Z hat in Wien eine Renaissance der Reparatur eingeläutet. Aktuell schaffen wir ein Qualitätsbewusstsein für langlebige und reparierbare Produkte statt Wegwerf-Produkten mit extrem kurzer Lebensdauer (Stichwort: Geplante Obsoleszenz).

R.U.S.Z-Geschäftsführer Sepp Eisenriegler ist als Experte für Konsumentenschutz, Sozialwirtschaft und Nachhaltigkeit ein gefragter Redner und Referent für Vorträge, Konferenzen, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Fach-Workshops, Unis und Schulen.


Lobbying für Ressourcenschonung auf allen Ebenen

Das R.U.S.Z war Mitbegründer des Europäischen Dachverbandes für sozialwirtschaftliche Betriebe – RREUSE mit einem eigenen Büro in Brüssel und später des Bundesdachverbandes RepaNet Österreich. Unter der RREUSE-Präsidentschaft des R.U.S.Z-Geschäftsführers gelang es, den Marsch durch die (EU-)Institutionen erfolgreich anzutreten, lokale Bedürfnisse gegen die Interessen der Industrie in die EU-Gesetzgebung hineinzulobbyieren und auf lokaler Ebene davon zu profitieren. Ergebnisse sind unter anderem das prioritäre Recht von sozialwirtschaftlichen Unternehmen auf „cherry picking“ von Elektroaltgeräten in kommunalen Abfallsammelzentren. Nach einer mehrjährigen Medienkampagne gegen geplante Obsoleszenz und der Mitentwicklung einer weltweit einzigartigen Norm betreffend die Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit von Elektro- und Elektronikgeräten (ONR 192102:2014) durch das R.U.S.Z ist es gelungen, auch die wissenschaftliche Community (Joint Research Center der EU Kommission, Europäische Umweltagentur Kopenhagen, UBA Deutschland, WU Wien, BOKU Wien, Uni Graz u.a.) und letztlich die europäischen Institutionen anzusprechen (EU Kommission, Europäisches Parlament). Am 02.12.2015 veröffentlichte die EU-Kommission den Aktionsplan zur ressourcenschonenden Circular Economy und verabschiedete sich damit von der Idee der wachstumsgetriebenen, linearen, kapitalistischen Marktwirtschaft. Im Mittelpunkt dieses Kreislaufwirtschaftspakets stehen langlebige, reparaturfreundlich designte Produkte. Der geschäftsführende Gesellschafter Sepp Eisenriegler ist auf EU-Ebene als Referent und Experte des wissenschaftlichen think-tanks der EU Kommission, dem Joint Research Center, tätig.

seit 2010

Second-Life-Geräte

Seit 2010 setzt das R.U.S.Z das Projekt „Spenden Sie Ihre alte Waschmaschine“ um, in dem alten Waschmaschinen für den Second-Life-Markt neues Leben eingehaucht wird.

2015/16

Produkttests

2015 wurden nach dieser Norm im Auftrag einer großen EU-Konsumentenschutzorganisation 24 neue Waschmaschinen getestet, 2016 40 am Markt befindliche Staubsauger. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Jede Waschmaschine war schlechter als ihr eigenes Vorgängermodell, für alle Staubsauger unter € 80,-  gibt es keine Ersatzteile. Der Anteil an Wegwerfprodukten hat sich in beiden Gerätegruppen in den letzten 10 Jahren verdreifacht.

seit 2017

Gerätemiete

& Social Franchising

Gerätemiete

Seit 2017 bieten wir die Produktdienstleistung Saubere Wäsche nach dem „Nutzen statt Kaufen“-Prinzip an.


Social Franchising

Wir beabsichtigen, mit der Unterstützung des Wirtschaftsministeriums, unser erfolgreiches Geschäftsmodell in Form von Social Franchising in andere Regionen zu tragen. Ein erster Pilotbetrieb für dieses Konzept wurde mit der Filiale des R.U.S.Z in Graz am 1.12.2017 eröffnet.

seit 2018

Neuer personal-politischer Schwerpunkt:

Flüchtlinge

Seit 2018 arbeitet Gasim bei uns, der viele Jahre in Österreich keine Chance bekommen hat. Mortesa aus Afghanistan absolviert bei uns seine Elektroniker-Lehre. Er kann jetzt in Ruhe seinen Bescheid abwarten, ohne fürchten zu müssen, dass er gleich danach abgeschoben wird. Auch ein syrischer Kurde (Konventionsflüchtling) ist für sein Arbeitstraining bei uns.